Exkursion auf dem Bodensee mit dem Kormoran des IfS Langenargen


Bericht von David Seyboldt, Schülerforschungszentrum Südwürttemberg, Graf-Zeppelin-Gymnasium, Friedrichshafen

 

Kormoran1


Kormoran2

 


Mitte Juni fragte „Jugend forscht Baden-Württemberg“ das SFZ FN, ob eine Gruppe von Schülern Interesse habe, in den Ferien am 8. Juni von Langenargen aus bei einer kurzfristig angebotenen Exkursion mit zwei Forschungsschiffen auf dem Bodensee teilzunehmen. Das Thema ist das Tiefenschärfe-Projekt zur hochauflösenden Vermessung des Bodensees sowie die Gewinnung und Analyse eines Sedimentkernes.

Das erste Forschungsschiff, die Aldebaran, ist zurzeit auf dem Bodensee als Medien- und Forschungsschiff im Einsatz. Dadurch haben 23 Schülergruppen in der ersten Hälfte des Monats Juni die Möglichkeit, Meeres- und Gewässerforschung zu treiben. Das zweite Forschungsschiff wurde kurzfristig nur am 8.6.17 eingesetzt. Es ist die Kormoran vom Institut für Seenforschung (IfS), auf dem aktuelle Untersuchungen zur Bodenanalyse des Bodensees demonstriert werden.

Deshalb haben wir, David Seyboldt, Dominik und Nikolas Zedler, drei ältere Teilnehmer des SFZN FN, uns am 8.6. um 10:30 Uhr beim Seenforschungsinstitut in Langenargen eingefunden. Außer uns kamen vier Schülerinnen aus Aalen mit dem Zug.
 
Als erstes erzählte uns Dr. Martin Wessels, Geologe am IfS, in einem interessanten Vortrag einiges über die Arbeit am Institut für Seenforschung und die genaue Vermessung des Bodensees von 2012 bis 2015. Diese Messung besteht aus rund 19 Milliarden Datenpunkten, die mit einem Fächerradar auf einem Schiff aus Tiefen ab 5 m und einem Laserscanner aus einem Flugzeug bis in 5 m Tiefe gewonnen wurden. Damit ist es möglich, feine Strukturen am Grund des Bodensees zu erkennen. Ein Beispiel sind die „Hügli“ an der Schweizer Küste in geringer Tiefe. Man geht davon aus, dass es sich bei diesen kleinen Steinhaufen entlang der Schweizer Küste um menschengemachte Strukturen handelt, ist sich aber noch nicht sicher, weshalb sie erbaut wurden. Die „Hügli“ werden gegenwärtig von Archäologen genauer untersucht. Auch ergab die neue sehr genaue Messung, dass der See nur 251 und nicht 253 Meter tief ist.

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung, fuhren wir auf der „Kormoran“, dem Schiff des Instituts für Seenforschung, auf den See hinaus.
Nach einiger Zeit erreichten wir unsere Zielposition: Eine neu entdeckte Mäanderstruktur in einer Tiefe von 180 Metern (siehe neue Bodenseekarte), die vor über 100 Jahren von Gerölllawinen gegraben wurde, die der alte Rhein bei Hochwasser bewegt hat.  Die genaue Position der Schleife fanden wir mit einem am Schiff angebrachten einfachen Echolot. Man sieht drei Absenkungen im Boden – die man nur als Schleife erkennt, wenn man mehr Informationen hat, als das Echolot des Schiffes liefert.

Als nächstes ließen wir mit dem Schiffskran zweimal mit Gewichten beschwerte Plexiglasrohre hinab, um in 180 m Tiefe Bodenproben zu nehmen; die erste an einer tiefen, die zweite an einer erhöhten Stelle. Nach dem Spalten der Proben konnte man bis gut 100 Jahre alte Sedimente sehen. Man erkennt wie bei Bäumen „Ringe“, von denen Dr. Wessels breitere Schichten bestimmten Hochwassern zuordnen konnte, in denen vor allem der Rhein viel Sediment im See abgelagert hat. Normalerweise bildet sich jedes Jahr etwa eine 1 mm dicke Schicht im Sediment. Bei Hochwasser können es mehrere Zentimeter sein. Da die Schichten unterschiedliche Grautöne haben, lassen sie sich unterscheiden. Auch sind die Strukturen im Sediment unterschiedlich. An manchen Stellen ist es feinkörniger als an anderen und teilweise auch von Spalten und Rissen durchzogen. Ganz oben ist eine Schicht von einfachen Lebewesen. Mit chemischen Analysen kann man feststellen, welche Zusammensetzung der Bodensee zu bestimmten Zeiten hatte. Man kann z.B. den Phosphatgehalt bestimmen oder feststellen, zu welchen Zeiten die Radioaktivität im Boden erhöht war, etwa aufgrund des Unfalls von Tschernobyl oder der Atombombenversuche in den 60er Jahren.

Wir fanden, dass wir eine seltene Gelegenheit hatten, ein interessantes Forschungsgebiet am Bodensee kennen zu lernen, das man so nicht jeden Tag mitbekommen kann.

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